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Unser Leben ist eine Welle

Blüten verblühen, Blätter segeln sanft auf den Boden und die leuchtenden Farben des Sommers verschwinden. Die Tage werden immer kürzer und die Vögel werden jeden Tag leiser oder fliegen dem Sommer einfach hinterher. Manchmal beneide ich sie darum, dass sie das können.

Im Herbst wird die Vergänglichkeit des Lebens besonders greifbar. Jedes Jahr ertappe ich mich von Neuem dabei, den Sommer nicht loslassen zu wollen, ich spüre den Wunsch, die schönen Farben und die Wärme der Sonne festhalten zu können und einen inneren Widerstand, wenn ich an Kälte und kahle Bäume denke. Dann laufe ich ganz bewusst durch die Natur, sauge das letzte Grün und das letzte Bunt in mich ein, fülle mich damit an und erinnere mich daran, dass es immer da ist. Auch im Winter, wenn alles grau und leblos erscheint, sind die saftig grünen Blätter der Bäume und die Blüten der Blumen allgegenwärtig. Nur weil wir sie nicht sehen können, heißt es nicht, dass sie nicht da sind. Wenn wir den kahlen Baum genau anschauen, mit einem Blick, der tiefer dringt als nur bis zum oberflächlichen ersten Eindruck, dann beginnen wir zu sehen und zu verstehen. Leben ist Veränderung und ein ewiger Fluss von Entstehen und Vergehen - und gleichzeitig ist alles immer nur Wandel. Alles ist immer da, nichts entsteht und nichts vergeht. Unser kleines Ich tut sich schwer damit, das zu begreifen. Außerdem neigen wir dazu, nur die Traurigkeit der Endlichkeit zu sehen und sie als etwas zu verstehen, über das wir lieber nicht nachdenken und das wir weit von uns wegschieben. Dadurch vergessen wir, wie unendlich kostbar und wertvoll alles gerade dadurch wird, dass es nicht von Dauer ist. Der Zauber der Blume ist es, dass sie welken muss. Und genau so ist es mit unserem Leben. Gerade durch die Endlichkeit wird es so wertvoll, so zauberhaft und wundervoll. Lasst uns dieses Wunder des Lebens umarmen, in vollen Zügen genießen, und mit Dankbarkeit die Augenblicke wertschätzen, die uns hier geschenkt sind. Indem wir uns dem stetigen Wandel des Lebens öffnen, ihn uns genau anschauen, lernen wir zu verstehen, dass alles kommt und geht und gleichzeitig immer da war und für immer besteht.


Unser Leben ist eine Welle

Von Leoni McGough


Leben ist Veränderung,

Ein ewiger Fluss,

Von Entstehen und Vergehen,

Dem jeder sich fügen muss.


Unser Leben ist eine Welle,

Die sich erhebt und vergeht,

Unser Ich nur ein Funke,

Dessen Glut schnell verweht.

Nichts bleibt wie es ist,

Keine Geburt ohne Tod;

Ein Anfang kann nur sein,

Wenn auch ein Ende droht.


Aber durch den Tod Wird das Leben erst zum Genuss.

Es ist der Zauber der Blume,

Dass sie welken muss.


Lasst uns unser Leben leben, Solange unsre Funken brennen, Mit ganzem Herzen sein, Und den Zauber dieses Seins erkennen.


Wir alle entstehen und vergehen,

Und trotz allen Strebens, Sind wir doch nur Teil des Ganzen,

Im ewigen Strom des Lebens.


Alles ist immer nur Wandel, Nichts entsteht und nichts vergeht.

Es gibt keinen Anfang und kein Ende,

Auch wenn das Ich es nicht versteht.


Unser Leben ist eine Welle.

Nie wirklich getrennt, Sind wir - tot oder lebendig –

Immer Teil der Quelle.


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