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Weise Riesen

leonimcgough
7. Apr. 2023
3 Min. Lesezeit

Ich hatte das große Glück, meine Kindheit am Rande eines wunderschönen Waldes verbringen zu dürfen. Schon im Alter von fünf Jahren wurde der Wald mein Zufluchtsort. Wann immer ich traurig war oder das Gefühl hatte entfliehen zu müssen, suchte ich intuitiv die Nähe der Bäume als Trost. Ich lief in den Wald, oft auch querfeldein, und spürte sofort die heilende, beruhigende Wirkung. Als ich älter wurde, saß ich manchmal mehrere Stunden auf einer einsamen, versteckten Bank inmitten des Grüns und schaute durch die Baumkronen in den Himmel. Ich fühlte mich dann sofort ruhiger, verbunden und aufgefangen. Die Kombination aus Ruhe und gleichzeitig pulsierender Lebensenergie hat mich schon immer geerdet und mir Kraft gegeben. Als Kind im Wald spürte ich zum ersten Mal das Einssein, die Verbundenheit aller Dinge, und fand darin Trost.

Auch heute ist der Wald noch mein Zufluchtsort. Ich habe das Glück, dass ich wie in meiner Kindheit wieder am Waldrand wohne. Und wie damals suche ich auch heute die Nähe der Bäume und deren heilende Wirkung, um Stress abzubauen, mich zu erden, meinen Körper und Geist zur Ruhe kommen zu lassen und die Verbundenheit mit dem Großen Ganzen zu spüren. Ich laufe durch den Wald und spüre sofort, wie meine Schultern etwas tiefer nach unten sinken, wie ich freier atmen kann und sich unnötige körperliche und geistige Anspannung lösen. Ich schließe meine Augen, höre auf die Musik des Waldes und tauche ein in den erdigen Duft, verliere mich in diesem wohltuenden Gefühl der Verbundenheit.

Bäume sind großartige Lehrmeister. Wenn man sich die Zeit nimmt, ihnen genau zuzuhören, sie ganz genau anzuschauen, kann man alles Wesentliche von ihnen lernen. Bäume leben in Harmonie mit allem, was sie umgibt. Sie nehmen nur, was sie brauchen und geben unermüdlich. Sie sind stark und kraftvoll, aber ebenso flexibel, sanft und nachgiebig. So können sie fast jeden Sturm überstehen. Sie bilden tiefe Wurzeln und strecken sich gleichzeitig Richtung Himmel. Sie wachsen langsam, aber stetig und hören nie auf sich weiterzuentwickeln. Ein Baum verändert sich, wenn nötig und bleibt gleichzeitig fest verwurzelt und geerdet. Er lässt los, wenn es an der Zeit ist loszulassen, ohne krampfhaft zu versuchen festzuhalten. Er sammelt seine Energie nach innen und reduziert seine Aktivität, wenn das gebraucht wird, aber produziert und gibt großzügig ab, wenn die äußeren Umstände es erlauben. Wenn wir alle von den Bäumen lernen würden, könnte diese Welt ein so viel schönerer Ort sein. Wir brauchen unsere Wälder, unsere Seen, Flüsse, Wiesen, Pflanzen, Meere und Tiere. Wenn wir in die Natur gehen und uns wieder verbinden, dann merken wir, was Konstrukt und was echt ist – unser Menschsein wird plötzlich weniger wichtig. Wenn man in den Wald, ans Meer oder in die Berge geht, heilen Seele und Körper und wir werden daran erinnert, was es wirklich bedeutet, am Leben zu sein und wie kostbar alles Leben ist. Natur ist nicht etwas außerhalb von uns, sondern wir sind Teil davon. Wir atmen den Sauerstoff, den Bäume und Pflanzen für uns produzieren, und sie nutzen das CO2, das wir ausatmen, um den Kreislauf von Neuem zu beginnen. Alles kann immer nur zusammen mit allem anderen bestehen, alles Sein ist ein riesiges Ökosystem. Jeder Schaden, den wir einem Teil dieses Systems zufügen, trifft immer auch uns selbst.

Wenn wir in die Natur gehen, kehren wir zu unserem eigenen Ursprung zurück, wir verbinden uns wieder mit uns und mit allem. So können wir heilen und wieder ganz werden.


 
 
 

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3 Kommentare


Ascensión Feliz
07. Sept.

Reading about the wise giants instantly took me back to a summer hike I did in the Black Forest when I was a teenager. My guide, an elderly man with a booming voice, would pause at each massive oak and speak as if the tree itself could answer his questions. He told stories of how the forest had survived wars and storms, and how every knot in the bark held a lesson about patience https://www.beyondblue.org.au/ I remember kneeling down, feeling the rough bark against my palms, and suddenly realizing that wisdom isn’t just spoken—it’s lived in the quiet strength of something far older than us. That moment taught me to listen more closely to the world around me, especially when…


ripper

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Cidália Gama
06. Sept.

Reading your piece on the "Weise Riesen" reminded me of a hike I took in the Black Forest a few years back, when I stumbled upon an old, moss‑covered stone monument perched on a ridge. It was massive, almost as if a giant had placed it there centuries ago, and the carvings on its surface seemed to whisper stories of forgotten wisdom. I spent a long pause sitting at its base, listening to the wind rustle through the pines, and felt a strange sense of connection to something far larger than myself https://oma.org.au/ The silence was broken only by the distant call of a jay, and in that moment I realized how often we overlook the quiet lessons that towering…


bohocasino

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Abdelhak Amo
05. Sept.

Reading your piece on “Weise Riesen” instantly took me back to a hike I did in the Harz mountains a few years ago, when I stumbled upon an ancient oak that seemed to tower over everything else, its bark scarred by centuries of wind and weather. I remember standing at its base, feeling both humbled and oddly empowered, as if the tree were silently sharing the wisdom of ages. That moment reminded me of the way you describe the giants as keepers of hidden knowledge, patient observers of human folly https://www.accc.gov.au/system/files/social-media-influencer-testimonials.pdf It’s strange how a single encounter with nature can reshape your perspective on everyday problems, making them feel less urgent and more manageable. I’ve since started pausing more often…


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